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Daft Punk’s Electroma
Juli 22, 2008, 6:19 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Gedöns

Vergangene Nacht haben Kollege A und ich gemeinsam Daft Punks Electroma geschaut. Die Erwartungen waren als große Fans der französischen Elektronik-Pioniere hoch, auch wenn uns klar war, dass wohl ein etwas experimentelles Werk auf uns warten würde. Doch das was wir in den kommenden 69 Minuten zu sehen bekamen konnte man nun wirklich nicht ahnen:

Eröffnet wird der Film von einer symptomatischen Sequenz in der fast 50 Sekunden eine Felsformation aus verschiedenen Blickwinkeln gezeigt wird, unterlegt mit stimmungsvollem, heulenden Wind. Anschließend darf der gespannte Zuschauer noch 20 Sekunden lang das Auto der beiden unbenannten Protagonisten betrachten, bis sie schließlich einsteigen und 7 Minuten lang durch die Wüste fahren. In Echtzeit, versteht sich. Die Hälfte der Zeit ohne jegliche musikalische Begleitung. Diese gestaltet sich zwar anders als erwartet, - der Soundtrack umfasst nicht wie Interstella 5555 Songs von Daft Punk selbst - ist aber nicht das Problem des Films, denn die Auswahl der verwendeten Songs kann durchweg als gelungen bezeichnet werden. Wesentlich anstrengender macht es da der Umstand, dass im gesamten Film nicht 1 Wort gesprochen wird…

Im Folgenden versuchen die beiden Hauptdarsteller, ihreszeichens wie auch der Rest der Bevölkerung Roboter, ihren sehnlichsten Wunsch zu verwirklichen: Mensch sein. Nach 15 Minuten wird also langsam klar worum es hier gehen soll. Die beiden bekommen eine künstliche Haut verpasst und wandeln anschließend zunächst mit riesigen Kartoffelköpfen auf den Schultern durch die Gegend. Ja, es sieht wirklich so albern aus wie es sich anhört. Leider erweist sich nicht nur die Sonne als gnadenlos indem sie die gigantischen Rüben zum Schmelzen bringt, sondern auch die übrigen Roboter, die das Duo aus der Stadt jagen.

Die Tragik des Ganzen springt für einen Moment tatsächlich rüber, wenn sie sich ihre nur noch in Fetzen am Helm hängenden Gesichter abwischen und im Klo runterspülen. Allerdings auch wirklich nur für einen Moment, denn es folgt die wahrscheinlich längste Wanderung durch eine Wüste die man jemals in einem Film gesehen hat. Moses Weg aus Ägypten in diversen Bibelfilmen einmal ausgenommen. Man sagt während der Premierenvorstellung in Cannes hätten nicht wenige die Vorstellung an dieser Stelle verlassen und Übel nehmen kann es ihnen wohl niemand. Dabei liefert Thomas Bangalter ein paar wirklich sehr schöne Landschaftsaufnahmen. Man ist fertig, wirklich physisch mitgenommen, will das der Film ein Ende hat und man könnte annehmen dass die letzten Minuten genau diesen Effekt haben sollten, den Zuschauer die Müdigkeit und Verweiflung der beiden Robter spüren zu lassen.

Bangalter selbst: ”Es gibt keine Gesichter, keine Dialoge, aber der Überlebenskampf der Roboter in der Salzwüste wird dem Zuschauer extrem bewusst – der Überlebenswille wird körperlich nachvollziehbar, auch weil wir so viele narrative Schluchten eingefügt haben, Momente, in denen einfach nichts passiert, es aber im Idealfall im Kopf des Zuschauers rattert und rattert.”

Fragt sich nur, wie man die ähnlich anstrengende, aber optimistisch dargestellte Autofahrt zu Beginn des Films erklären will. Man ist beinahe froh als sich die beiden Androiden schließlich selbst ihre Lebenslichter auspusten, allerdings ist diese Szene schon wieder viel zu gut um unfreiwillig komisch zu sein.

Was bleibt ist die Gewissheit, dass Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo niemals so große Filmemacher wie Musiker werden, als Kameramann macht Bangalter allerdings einen überzeugenden Job. Es ist keine schlechte Geschichte, einzelne Szenen sind wirklich toll eingefangen, aber warum bitte hat man eine fast 70 minütige Tortur geschaffen und keinen Kurzfilm oder ein Musikvideo? Electroma soll laut Bangalter eine emotionale Reise auslösen, doch es ist keine Schöne. Ein Nebenaspekt wird schließlich zur Daseinsberechtigung des Films als solchen: ”Uns war der ästhetische Aspekt des Films, der Style, der edle Look, sehr wichtig – ein Fashion-Statement.” Also dann, danke an Hedi Slimane.

Schaut euch lieber Interstella 5555 an, da ist die naive Geschichte zumindest durchgehend in hervorragende Musik gehüllt. Beide Filme sind auf DVD erhältlich, alternativ findet man sie aber auch bei Google Video.

L


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